Gitarre mit Vollröhrenverstärker

Vollröhrenverstärker liefern unerreichten Sound

Röhrenverstärker erfreuen sich aktuell unglaublicher Beliebtheit unter Musikern und Musikliebhabern. Während die einen für die dynamische und natürliche Wiedergabecharakteristik schwärmen, schätzen die anderen den unvergleichlichen Crunch und Druck, den Vollröhrenverstärker als Gitarrenamp liefern können. Wir gehen heute der Faszination der Vollröhrenverstärker auf den Grund und stellen die Unterschiede zwischen verschiedenen Verstärkerarten und „echtem“ Vollröhrenverstärker heraus. Doch keine Sorge – neben all den technischen Feinheiten betrachten wir natürlich auch das, worauf es wirklich ankommt: Den großartigen Sound der Vollröhrenverstärker!

Vollröhrenverstärker – eine Definition

Wenn von Röhrenverstärkern gesprochen wird, ist häufig nicht scharf zwischen unterschiedlichen Bauweisen und technischen Einzelheiten zu unterscheiden. Für den Einsatz als Gitarrenverstärker stehen schließlich unterschiedliche Varianten der Signalverstärkung zur Verfügung. Ein Vollröhrenverstärker ist laut Definition ein Verstärker, bei welchem neben einer Röhrenendstufe auch eine Vorstufe auf Röhrenbasis verbaut ist. Moderne Bauweisen, welche Transistoren mit Elektronenröhren kombinieren, gelten daher nicht als Vollröhrenverstärker, sondern werden als Hybridverstärker bezeichnet.

High-End Stereo Vorverstärker

Vor- und Endstufen auf Röhrenbasis – was bewirken die Elektronenröhren im Vollröhrenverstärker?

Laut Definition besitzt der Vollröhrenverstärker also eine Vorstufe und eine Endstufe, die beide mit Elektronenröhren befeuert werden. Doch wie verhalten sich diese Bauteile an ihrer jeweiligen Position und warum klingen Röhrenverstärker so unglaublich gut? Betrachten wir kurz die Aufgaben der Vor- und Endstufen technisch und beleuchten die Art der Wirkung von Verstärkerröhren in den jeweiligen „Abteilungen“:

Röhren in der Vorstufe (Pre-Amp)

Die Vorstufe oder Pre-Amp ist im Vollröhrenverstärker gewissermaßen die „Soundschmiede“ der Vollröhre: Hier werden anhand von eingesetzten Pre-Amp Elektronenröhren Soundbestandteile hervorgehoben und moduliert. Die in den meisten Verstärkern eingesetzte Klangregelung greift das Signal ebenfalls im Pre-Amp ab und lässt einzelne Frequenzen absenken bzw. (im Falle einer aktiven Klangregelung) anheben. Wird das Signal in der Vorstufe übersteuert, kommt es zu einer harten, komprimierten Verzerrung, die in der Fachsprache als Distortion bezeichnet wird. Der Pre-Amp ist dafür verantwortlich, den Pegel des Eingangssignals so weit anzuheben, dass Klangregelung und Effekte mit dem Signal weiterarbeiten können.

 

Röhren in der Endstufe

Die Endstufe ist das Powerhouse des Röhrenverstärkers. Hier wird das Signal derart angehoben, dass Lautsprecher die Signale der Vollröhre verarbeiten und in Schallwellen umwandeln können. Die Elektronenröhren in der Endstufe arbeiten im Vergleich zu Vorstufenröhren hart und unterliegen einer größeren Belastung. Übersteuert die Endstufe, spricht man von einem Overdrive – die Verzerrung ist sehr natürlich und etwas weicher als in der Vorstufe. Durch die Hauptaufgabe der Endstufen (Verstärkung liefern), liefert ein guter, angerauter Overdrive eine ordentliche Portion Lautstärke. Nachbarn, aufgepasst!

6550A-STR TAD Premium Matched - Endstufenröhre

Vollröhre, Hybrid, Transistor und Digital

Nicht nur Röhrenverstärker, auch Transistor- bzw. Digitaltechnik finden wir als Gitarrenverstärker. Immer wieder werden Begrifflichkeiten und Bauformen durcheinandergeworfen. Daher haben wir die wichtigsten Unterschiede zwischen den einzelnen Amptypen herausgestellt:

Vollröhrenverstärker

Der Klassiker unter den Verstärkern liefert dank vollwertiger Röhrentechnik (Vor- und Endstufe werden durch Elektronenröhren befeuert) den besten, vollsten und natürlichsten Sound. Die durch leichte Distortion bzw. Overdrive eingestreuten Obertöne der Vollröhre harmonieren mit unserem Gehör und geben eine organische, beinahe greifbare Struktur in den Sound. Besonders unter Gitarristen sind die Vorzüge der Röhrentechnik beinahe unumstritten. Mit Verstärkern wie der Fender Reverb Blackface Serie lassen sich ganze Grammy-Regale füllen und auch heute schwören Profi-Gitarristen auf der ganzen Welt auf die Röhre! Kein Wunder also, dass mit der Beliebtheit auch der Preis der Geräte immer weiter steigt. So werden heute für gut erhaltene Originale mehrere zehntausend Euros gezahlt.

Fender "Blackface" Deluxe Reverb 1965 - Vollröhrenverstärker

Glücklicherweise gibt es hervorragende Alternativen zum Original: – so bietet TAD unterschiedliche Verstärkermodelle als moderne Interpretationen an. So zum Beispiel den TAD Blackface 45 Reverb oder den TAD Plexi 18 Watt TMB Combo sowie andere TAD Amps. Echte Vollröhrenamps für den besten Sound! Zwar sind Röhrenverstärker relativ wartungsintensiv, lassen sich durch die Auswahl unterschiedlicher Verstärkerröhren jedoch auch schnell und einfach modifizieren und an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Für viele Liebhaber der Röhrentechnik ist jedoch nicht nur die herausragende Soundcharakteristik das Hauptargument für Röhrenverstärker, sondern das Feeling: Rein analoge Technik, das warme, rote Glühen der Röhre und die Vorfreude, die während des Vorheizens in uns aufkeimt – ein echter Vollröhrenverstärker liefert etwas, was keine andere Verstärkertechnik hat: Ein Lebensgefühl und pure Begeisterung für Musik!

Blackface 45 Reverb AB763 Style Amp-Kit - Vollröhrenverstärker

Hybrid-Verstärker

Um die Verlässlichkeit von Transistoren und die warmen Klangcharakteristiken von Röhren zu kombinieren, haben Entwickler schon früh versucht, Röhrenvorstufen mit Transistor-Endstufen zu kombinieren. Diese Geräte haben den Vorteil einer röhrenbetriebenen, klangbildenden Vorstufe und einer Transistor-Endstufe, welche auf Grund ihrer Bauart einen etwas größeren Headroom bietet. In der Musikwiedergabe, also beim Hi-Fi, können Hybridverstärker die Laufruhe der Anlage verbessern, da die belasteten Endstufenröhren wegfallen und ein Wechsel nicht mehr in den Sound spielt. Dennoch vermissen wir den klaren, vollen Sound der Röhren.

6p15p-EV / 6П15П-EB Pentode

Transistorverstärker

Der Transistorverstärker hat die Elektronenröhre beinahe über Nacht abgelöst. Und auf dem Papier machte dieser Schritt durchaus Sinn: Bessere Belastbarkeit, weniger Wartung, weniger Kosten und geringerer Verbrauch bei gleicher Ausgangsleistung machen den Transistor rein technisch zum überlegebenen Bauteil. Der Sound früher Transistorverstärker jedoch hatte künstlich-kalte Soundanteile, welche besonders bei Liebhabern fetter, organischer Gitarrensounds oder warmer Wiedergabe störten. Klar, heute sieht es anders aus – der reine Klang der Transistorverstärker lässt kaum Wünsche offen. Spätestens beim Feeling ist jedoch für viele Gitarristen Schluss mit der Transistorliebe!

Rocktron Rampage R120 DSP Transistor-Gitarrenverstärker

Digitalverstärker

Die Bezeichnung Digitalverstärker leitet sich von der eigentlich korrekten Bezeichnung „Class-D“ Verstärker ab. Die Bauteile arbeiten dabei jedoch nicht nach einem rein digitalen Prinzip, sondern verwenden vielmehr eine sehr viel effizientere Art der Verstärkung von Eingangssignalen. Durch die hohe Arbeitsrate erreichen Class-D Verstärker sehr gute Leistungswerte, können bei Wiedergabe und Instrumentaleinsatz aber auch klanglich überzeugen. Lediglich die fehlende Wärme lässt sich dem Sound manchmal vorwerfen – sicherlich spielt hier jedoch auch unser subjektiver Höreindruck eine Rolle.

Faszination Vollröhrenverstärker – Fazit

Die Röhre begeistert Musikliebhaber und Gitarristen auch nach Jahrzehnten gleichermaßen. Die natürlichen Sounds und die warme, organische Haptik der Geräte spielt in einer ganz anderen Liga, als es Hybridverstärker oder Transistoramps je könnten. Natürlich spielt der subjektive Höreindruck bei der Bewertung eines Verstärkers stets eine große Rolle. Doch auch abseits von Voodoo und beinahe religiöser Verehrung der Elektronenröhre lässt sich festhalten: Das Gefühl, einen Vollröhrenverstärker einzuschalten und den Sound zu genießen, lässt niemanden wirklich kalt. Für uns ist klar: Es kann nur die Röhre geben!

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Bildquellen:
Beitragsbild: © Voloshyn Roman – stock.adobe.com
Sansui Vollverstärker: Boros.i – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101282044
Fender „Blackface“ Deluxe Reverb 1965: CC BY-SA 3.0, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=13741790