Die DIY Reparatur für Gitarrenverstärker

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Ab und an muss ein Gitarrenverstärker repariert werden. Welche Schäden können auftreten, die sich im DIY-Verfahren beheben lassen? Wann sollte ein Fachmann ran und wann ist ein vollständiger Austausch notwendig? Welche Kosten können auf einen zukommen? Wir zeigen heute die typischen Reparatur- und Wartungsarbeiten, verraten, welche Bauteile besonders anfällig sind und für welche Arbeiten lieber der Fachmann gefragt werden sollte.

Der großartige Sound von Röhrenverstärkern begeistert Gitarristen überall auf der Welt

Nicht umsonst feiert die beinahe vorsintflutlich wirkende Röhrentechnik eine echte Renaissance unter den Gitarristen. Doch der natürliche Klang der Röhren hat einen Nachteil: Röhrenverstärker sind wartungsintensiver als ihre Solid-State Kollegen. Gerade die Elektronenröhren selbst verhalten sich beinahe wie lebendige Bauteile und verändern sich im Laufe ihres Lebens dauerhaft. Was also können Sie tun? Um den geliebten Amp also über Jahrzehnte hinweg ohne Defekte oder Soundminderungen betreiben zu können, kommt im Laufe der Zeit der ein oder andere Reparatur-Einsatz auf den technikaffinen Gitarristen zu.

Achtung: Unser Artikel befasst sich in der Hauptsache mit einer Reparatur am röhrenbetriebenen Verstärker. Für Transistoramps werden teils andere Werkzeuge und Messgeräte verwendet!

Eine leuchtende Röhre in einem Verstärker

DIY-Reparatur am Gitarrenverstärker – Grundlagen

Um Arbeiten am Verstärker erfolgreich und vor allem sicher durchzuführen, benötigen DIY-Gitarristen einige Werkzeuge und vor allem ein gewisses Grundverständnis in Sachen Röhrentechnik. Hier kommen die Grundlagen:

Sicherheit geht vor!

Eine Reparatur am Röhrenverstärker ist im Grundsatz nicht gefährlicher als alle anderen Arbeiten an technischen Geräten. Doch um Mensch und Technik vor dramatischen Folgen zu schützen, kommen hier die wichtigsten Sicherheitshinweise zum Thema Gitarrenverstärker reparieren:

Strom abschalten

So simpel es klingt – den Verstärker nicht stromlos zu machen ist einer der häufigsten und gefährlichsten Fehler bei der Reparatur. Das einfache Ziehen des Netzsteckers ist nicht ausreichend, um alle Kondensatoren und andere Bauteile komplett zu entladen!

Klar, hat man sich einmal entschlossen, selbst Hand anzulegen und den Defekt zu beheben, soll es auch schnell losgehen. Die im Inneren des Amps entstehenden Spannungen sind jedoch absolut lebensgefährlich und müssen zunächst entladen werden. Dies ist nach etwa 20 Minuten ab dem Zeitpunkt des Netzstecker-Abziehens soweit. Diese Zeit vor jeder Reparatur unbedingt abwarten und auch dann vorsichtig vorgehen! Auch isolierende Handschuhe können helfen – grundsätzlich sollte der DIY-Techniker jedoch sicher sein, welche Bauteile gefährlich sein können und welche nicht.

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Behutsames Arbeiten

Im Inneren des Verstärkers finden sich unzählige Lötstellen, feine Drähte, Kontakte und Widerstände, die extrem empfindlich auf Berührungen und äußere Einflüsse reagieren. Hier ist besonders bei der Reparatur im Inneren des Amps Vorsicht geboten.

Schnell wird ansonsten aus einem kleinen Problemchen eine ausgewachsene Katastrophe.

Baupläne beachten, Fotos machen!

Gerade das Thema „Fehlersuche“ führt uns oft dazu, Amps und Bauteile bis zur kleinsten Einheit auseinanderzunehmen und die DIY Reparatur später zu bereuen. Um später nicht vor einem unlösbaren Puzzle zu sitzen, empfiehlt es sich, den Bauplan des jeweiligen Amps zur Hand zu haben. Auch die Fotodokumentation der einzelnen Arbeitsschritte erleichtert die spätere Reparatur erheblich!

Benötigte Werkzeuge für die Reparatur von Amps

Um im Inneren des Gitarrenverstärker Hand anzulegen, benötigt der geneigte Bastler eine ganze Menge geläufiger und weniger geläufiger Amp-Werkzeuge. Hier kommt eine kurze, nicht abschließende Liste:

  • Schraubendreher
  • Zangen
  • Lötkolben, -zinn und „Dritte Hand“ für Lötarbeiten
  • Multimeter zum Messen der Widerstände und Ströme
  • Isolierband
  • Pinzette
  • Draht
  • Ersatzteile

Ist alles beisammen und der Bauplan erneut studiert, kann es losgehen! Hier kommen die üblichsten Arbeiten am Gitarrenverstärker.

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Übliche Arbeiten am Röhrenverstärker

Auf einmal ist der Sound weg, der Klang ist scheppernd und blechern, nichts geht mehr? Auch Röhrenverstärker geben von Zeit zu Zeit den Geist auf – gut, dass die meisten Fehler wieder behoben werden können. Hier folgen die typischsten DIY-Projekte rund um den Gitarrenverstärker, deren Reparatur guten Gewissens vom Laien übernommen werden kann.

Röhrenwechsel

Der Klassiker unter den DIY-Projekten ist der Wechsel von alten, defekten und schlecht klingenden Röhren. Da es heute um die Frage geht, wie man seinen Gitarrenverstärker reparieren kann, wollen wir uns hauptsächlich um den Austausch defekter Röhren kümmern. Dabei geht man am besten in drei Schritten vor:

Defekte Röhre identifizieren

Röhren haben die Eigenart, nicht immer von außen sichtbar kaputt zu gehen. Um die defekte Röhre zu identifizieren, sollte zuerst der Blicktest gemacht werden.

Jemand hält eine defekte Röhre zwischen Daumen und Zeigefinder und führ eine Sichtkontrolle durch DIY Reparatur für Gitarrenverstärker

Leuchten alle Röhren bei eingeschaltetem Gitarrenverstärker auf? Hat sich ein weißlicher Belag gebildet? Ist eine Röhre schwarz angelaufen? Lässt sich mit bloßem Auge nichts erkennen, kann der so genannte Klopftest Aufschluss geben. Hierbei wird bei laufendem Amp sehr, sehr sanft auf die Röhren getippt. Hierfür eignen sich besonders Holzstäbe. Wird die defekte Röhre berührt und gibt ein unangenehmes, lautes Feedback wieder, neigt sie zur Mikrofonie und sollte getauscht werden.

Achtung, keine leitenden Teile berühren! Röhren sind sehr, sehr heiß! Im Zweifel lieber einen Fachmann beauftragen!

Bringt auch dieser Test kein Ergebnis, hilft nur das nacheinander durchgeführte Austauschen einzelner Röhren. Oder als bessere Reparatur der Tausch des gesamten Röhrensatzes!

Röhre entfernen

Topfassung für Sockel P8SC-Röhren, z.B. AD1,EF1,ELUm die defekte Röhre zu entfernen, muss zunächst das Gehäuse des Amps geöffnet werden. In den meisten Fällen werden die empfindlichen Röhren durch ein Gitter oder Käfig vor versehentlichem Berühren oder Beschädigungen geschützt.

Die Röhren selbst sind, je nach Bauform, in den Sockel des Amps gesteckt und können mit der Hand entnommen werden. Durch die Funktionsweise der Röhren können hohe Temperaturen entstehen. Daher sollte eine Röhre nur dann entnommen werden, wenn der Amp genügend Zeit hatte, um abzukühlen.

Achtung: Oftmals werden die Röhren, zusätzlich zum Sockel selbst, durch einen Drahtbügel gesichert. Dieser muss zunächst geöffnet bzw. gelockert werden.

Achtung: Oftmals werden die Röhren, zusätzlich zum Sockel selbst, durch einen Drahtbügel gesichert. Dieser muss zunächst geöffnet bzw. gelockert werden.
Neue Röhre auswählen und einsetzen

Nachdem die defekte Röhre entfernt wurde, kann nun eine neue Röhre eingesetzt werden. Hierbei ist neben der Bauform auch der Sockel der Röhre zu beachten. Bei Endstufenröhren kann es beim Röhrenwechsel zudem erforderlich sein, den Ruhestrom des Amps neu einzustellen – es sei denn es handelt sich um einen Verstärker mit automatischem Bias. Bei TAD-Endstufenröhren sind praktischerweise die Messwerte immer mit angegeben. Geht also eine Röhre kaputt, kann diese problemlos als Single Tube (unter Berücksichtigung der Messwerte) nachbestellt werden. Dann ist keine Nachjustierung am Bias nötig, es muss auch kein neues gematchtes Set gekauft werden. Nachdem der Austausch erfolgt ist, müssen sämtliche Halterungen und Sicherungsvorrichtungen wieder installiert und der Amp geschlossen werden.

Kratzende Potis und Kontakte reparieren

Neben den Röhren verfügt ein Gitarrenverstärker auch über andere, verschleißanfällige Bauteile, die im Laufe der Zeit immer wieder Zuwendung benötigen. Gerade Potis und Kontakte neigen dazu, sich mit den Jahren zuzusetzen und unangenehme Nebengeräusche zu produzieren – wer hat schließlich noch nie von einem „kratzenden Poti“ gehört?

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Doch keine Sorge: Um einen Poti oder Kontakt wieder flott zu bekommen, benötigt man nur wenig Sachverstand – die richtigen Mittelchen vorausgesetzt! Auch hier reichen drei Schritte für eine komplette Reparatur:

Defekten Poti / Kontakt identifizieren

Anders als bei Röhren lassen sich defekte Potis und Kontakte recht leicht aufspüren: Auf Grund ihrer Funktion streuen sie in der Regel nur dann unangenehme Nebengeräusche in den Sound ein, wenn sie aktiv genutzt werden. Bei Potis ist also nur dann ein kratzendes Geräusch zu hören, wenn der Amp eingeschaltet ist und der Poti genutzt wird. Verzerrt der Sound kurzzeitig bei der Einstellung von Lautstärke oder Reverb? Dann ist der Bösewicht identifiziert und eine Reparatur nötig! Auch defekte Kontakte lassen sich entsprechend feststellen – hier werden insbesondere die Ein- und Ausgangsbuchsen mit den Jahren stark belastet und können dadurch störanfälliger werden.

Poti / Kontakt reinigen

Ist der Missetäter entdeckt, geht es um die Reinigung der Komponenten. Meistens ist für einen kratzenden Poti eine Verunreinigung der Kontaktflächen verantwortlich. Um diese Verunreinigungen zu entfernen, empfehlen wir die hervorragenden Produkte von den CAIG Laboratories – die Deoxit Serie ist gerade für feine Bauteile sehr gut geeignet!

Achtung: Bei der Reparatur auf keinen Fall großflächig mit Kontaktspray arbeiten! Das Spray hat die Eigenschaft, das Innere des Amps zu verharzen und sorgt so nur kurzfristig für eine Besserung! Alle Mittel sollten mit Bedacht und sparsam eingesetzt werden!

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Testlauf

Nach der Reinigung des Teils sollte das Kratzen und die Störgeräusche entfernt worden sein. Ist dies nicht der Fall, kann auch ein kompletter Defekt vorliegen. Das Austauschen von Kontakten oder Potis ist eine sehr viel schwierigere und kompliziertere Sache – hier sollten gerade bei teuren Boutique-Gitarrenverstärker nur Profis ans Werk gehen!

DIY ausgeschlossen – hier hilft nur der Fachmann!

Eine ganze Reihe alltäglicher Wartungen und Defekte kann man also am Gitarrenverstärker selbst vornehmen. Doch irgendwann einmal ist Schluss, ein Fachmann muss zur Reparatur ran. Gerade Arbeiten rund um Trafos, Netzteile und Röhrensockel sollten auf Grund der hohen Spannungen eher einem Profi überlassen werden. Auch der Austausch von Kondensatoren und Arbeiten am grundlegenden Schaltplan eines Verstärkers kann man nur erfahrenen Technikern empfehlen.

Netzrafo für Fender Tube Reverb Reissue DIY Reparatur für Gitarrenverstärker

Wer Interesse daran hat, einen Gitarrenverstärker von Grund auf zu verstehen und seinen eigenen Verstärker zu bauen, dem sei an dieser Stelle ein Blick auf die Amp-Komplettbausätze von TAD empfohlen – geiler Sound und Fortbildung in einem, sozusagen!

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Bildquellen:
Leuchtende Röhren im Betrieb: © Avantgarde – stock.adobe.com
Sichtkontrolle Röhre (Finger halten Röhre): © taraskobryn – stock.adobe.com